Bezahlte Blog-Posts
Bezahlte Blog Posts
Bezahlte Blog Posts finden wachsende Akzeptanz
Bezahlte Blog Posts oder Paid Blogging stellen eine Sonderwerbeform in Weblogs dar, wobei Unternehmen für Berichte oder Produkt Kritiken bezahlen. Diese Werbeform wird oft kontrovers diskutiert, ist aber bei entsprechender Kennzeichnung legitim.
Der Artikel Paid Blogging Outlives the Fad Phase berichtet von anhaltendem Wachstum der bezahlten Blog Posts. Diese Erkenntnis beruht auf Ergebnissen der Marktforschung sowie auf einem Interview mit einem Betreiber einer Plattformen für Blog Werbung. Für Bezahlte Blog Posts gibt es eine Reihe spezialisierter Werbenetzwerke (s. Blog Commerce). Wie auf anderen Plattformen für Internet Werbung werden auch hier Werbetreibende mit Publishern, also Bloggern, zusammengeführt. Die Währung für bezahlte Blog Posts besteht zumeist in Geld, bisweilen aber auch in Sachgütern oder Preisnachlässen.. Verzeichnis Links: Blogging, Weblogs
Blog erstellen mit dem Bloganbieter Blogger.com
Bestechlichkeit der Blogger
Letzte Woche hat Robert Basic eine Umfrage gemacht, ab welchem Beitrag ein Blogger versteckte Werbung machen würden - die Ergebnisse gibts hier. Für gute Produkte würden bereits 24% um 100 Euro versteckte Werbung machen - bei schlechten Produkten gibts wenigsten einige, die das Angebot aus Prinzip ablehnen würden.
Ich denke allerdings nicht, dass da viele ehrlich geantwortet haben. Wer würde es denn ablehnen, für 100000€ einen positiven Beitrag zu einem guten Produkt zu schreiben? Kann ich mir nicht vorstellen. Bei einem schlechten Produkt wird es vielleicht den einen oder anderen geben, der hier seine Prinzipien hoch hält. Aber vermutlich wären das auch weniger, als das angeben. Es macht einen Unterschied, ob man einfach so bei einer Umfrage teilnimmt, oder ein konkretes Angebot hat. Allerdings ist das schon sehr theoretisch, denn Angebote jenseits der 1000 Euro wird ein normaler Blogger sowieso nie bekommen und so erst gar nicht in Versuchung kommen.
Empfehlung von mir - Robert Basic, G+J, Netzeitung.
Peinlich, peinlich:
"Süddeutsche Zeitung" kauft sich lobende Blogposts (Update)
Wie wenig überzeugt selbst überregionale deutsche Tageszeitungen noch von ihren eigenen Produkten sind, zeigt ein aktuelles Beispiel: Über den Schweizer Dienstleister Trigami kauft sich die Süddeutsche Zeitung derzeit Lob für ihre iPhone-App in Blogs und im iPhone-AppStore. Sicherheitshalber hat die Zeitung bei der entsprechenden Ausschreibung gleich mitgeliefert, was man an ihr besonders gutfinden sollte – könnte ja schließlich sein, dass man das selbst gar nicht bemerkt. Hinweis: Update am Ende des Artikels. Laut Trigami war es ein interner Fehler.
Über Trigami habe ich auch hier im Blog bezahlte Postings veröffentlicht – wenn sie thematisch passend waren und ich die Freiheit bekam, selbst über den Inhalt zu entscheiden. Das ist jetzt schon fast zwei Jahre lang nicht passiert, weil es schlichtweg keine passenden Ausschreibungen mehr gegeben hat. Das Angebot der Süddeutschen hat mich in seiner Peinlichkeit dann doch noch mal überraschen können. Eine “Qualitätszeitung” kauft sich Bloggerlob? Ja, so ist es tatsächlich.
Bei Trigami nennt sich diese Werbeform “Advertorial”. Auf Deutsch heißt das schlicht: Der Kunde bestimmt, was im Posting des Bloggers steht. Oder wie Trigami es so treffend selbst beschreibt: “… redaktionelle Werbetexte, geschrieben von Bloggern, 100% positiv durch Inhaltskontrolle Ihrerseits.” Das muss die Zuständigen bei der Süddeutschen wohl überzeugt haben.
Wer als Blogger das Angebot der Süddeutschen annimmt, soll zunächst die iPhone-App der Zeitung herunterladen. Wozu das genau notwendig sein sollte, war mir auf den ersten Blick nicht so recht klar, denn nicht nur ein praktischer Lobeshymnen-Baukasten wird dem Blogger frei Haus geliefert (s.u.), auch passende Screenshots sind gleich dabei. Im Prinzip reicht das schon aus, um den gekauften Bericht zusammenzuschreiben. Eine eigene Meinung ist ja sowieso nicht gefragt. Aber es gibt diesen bemerkenswerten Hinweis im Beschreibungstext der Trigami-Ausschreibung: Mehr ...
» Nach dem Runterladen der Gold Applikation müsst Ihr bitte einen möglichst positiven Kommentar im App Store hinterlassen
Interessant. Was Apple wohl dazu sagt? Ich werde mal nachfragen. Update: Pressesprecher Georg Albrecht hat mitgeteilt, dass es von Apple keinen Kommentar dazu gibt.
Damit die Blogger nicht lange rumrätseln müssen, was sie an der Süddeutschen und ihrer App bloß toll finden könnten, sind die Vorzüge der Zeitung, der Website sueddeutsche.de und der iPhone-App auch gleich schreibgerecht aufbereitet.
Folgende “Vorteile des Produktes” soll man “aufzeigen”:
» Die bekannt hohe journalistische Qualität von SZ und sueddeutsche.de kann jetzt auch komfortabel mit dem iPhone genutzt werden
» sueddeutsche.de hat eine Meinung
» sueddeutsche.de bezieht Stellung
» sueddeutsche.de berichtet nicht nur, sondern kommentieret (sic!) das Geschehen sachkundig und professionell
» die Autoren von sueddeutsche.de sind ihre Stärke
» gutes Mittel zum Komplettieren des Informationsbedürfnisses des interessierten, modernen Menschen von heute
Man kann seinen Kollegen/Bekannten zeigen, dass man auf Qualität setztErstaunlich bei alldem, dass sich ausgerechnet die Süddeutsche Bloggerlob einkauft, die mir in der Vergangenheit nicht gerade als internetfreundlich oder auch nur ansatzweise internetkompetent aufgefallen ist. Man denke da nur an den Ausspruch “Seuche Internet” oder die verblüffte Feststellung, dass Besucher einer Internetkonferenz Laptops dabei haben und auch nutzen.
Ich jedenfalls interpretiere die Trigami-Ausschreibung so, dass ein Blogger nicht auf den ersten Blick erkennen kann, was für eine überragende Qualität er mit der Süddeutschen geliefert bekommt, wenn man ihm die entsprechenden Lobhudeleien nicht ins Blog diktiert. Dafür gibt es zwei mögliche Ursachen wie mir scheint: Blogger sind zu dumm oder die Süddeutsche ist zu schlecht. Entscheidet selbst.
Wer sich für die Ergebnisse der Trigami-Ausschreibung interessiert, kann dieser Tage bei Google einfach nach süddeutsche iphone trigami suchen. Hier einige Beispiele:PaderSolutions hat zum Beispiel festgestellt: “Im Meinungsbereich beziehen die SZ-Autoren mit einer klaren Meinung Stellung zu den aktuellen Geschehnissen.“ Webregard hat herausgefunden: “Die Süddetusche Zeitung versteht sich selbst als Qualitäts-Jounalismus der heutigen Zeit und möchte mit diesem Angebot den mobilen Markt erschließen.“ Zweinullig bilanziert: “Die journalistische Qualität der Süddeutschen Zeitung (und von sueddeutsche.de) sollte ausschlaggebend sein, dass man das SZ-Applikation der BILD-Applikation vorziehen sollte.“ Auch Apfelknacker ist ganz verzückt: “…glänzt mit journalistischer Qualität und eigener Meinung. So steht das kleine goldene Symbol auf dem Homescreen für Qualität auch außerhalb der Printmedien.“Damit will ich nicht die Blogger bloßstellen, die das Angebot angenommen haben. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Und immerhin müssen schon aus rechtlichen Gründen alle gekauften Texte mit einem “Anzeige”-Hinweis versehen sein, so dass Leser sehen können, womit sie es zu tun haben. Peinlich finde ich solche Postings aber für die “Qualitätszeitung” Süddeutsche, die sich auf diese Weise offenbar Blogposts und Bewertungen in Apples AppStore einkauft.
Update
Wie Remo Uherek von Trigami in diesem Kommentar schreibt, war es ein interner “Kommunikations-Fehler”, dass die Kampagne der Süddeutschen als “Advertorial” gestartet wurde. Ein Advertorial verspricht “100% positiv” zu sein. Freie Meinungsäußerung ist hingegen in der “Text-Review” möglich. Zuvor hatte Peter Bilz-Wohlgemuth von der Süddeutschen in diesem Kommentar darauf hingewiesen, “dass wir mitnichten „lobende Blogposts“ haben wollen”.
Einen Überblick zu aktuellen Reaktionen und dem Verlauf der Geschichte gibt es übrigens hier im Blog von Trigami.

